Abteilungs-News

Trans Alpine Run

#hartfacts
Dauer: Samstag 09.09.2023 bis Freitag 15.09.2023
Strecke: Lech → St. Anton → Ischgl → Galtür → Klosters → Scoul → St. Valentin a.d.H. → Prad am Stilfserjoch
Teilnehmerfeld: ca. 500 Teilnehmer in 2er Teams oder Solo + ca. 350 RUN2 Starter (von Lech bis Ischgl)
Veranstalter: PlanB aus München
Kostenpunkt: 1.000 € pro Kopf Startgebühr


#feeling
Es ist Freitag der 8. September. Wir, Axel “Bergziege” Domann und Chris Voß, sind in Lech am Arlberg. Nach einer langen Vorbereitungsphase und einigen verletzungsbedingten Unterbrechungen halten wir unsere Startnummern in den Händen. Noch einmal schlafen und dann geht es los. Eine Mischung aus Vorfreude, Respekt und etwas Angst lässt uns nicht wirklich gut schlafen. Am Samstagmorgen stehen wir dann trotzdem pünktlich mit Stöcken und Trailrucksäcken ausgerüstet, zusammen mit 850 weiteren Starter*innen hinter dem riesigen Startbogen. Startschuss Punkt 8.00 Uhr, die Aufregung ist wie aufgelöst. Das Abenteuer beginnt!


#highlights
Etappe1: Lech → St.Anton (33K/1800HM): Skigebietfeelings auf dem Arlberg mit einem Anstieg zur Ulmer Hütte bei gefühlten 50°C - erste Teams schwächeln bei der Hitze - Wasser wird untereinander geteilt - harter Abstieg nach St. Anton und einmal durch die Innenstadt ins Ziel. Die Beine hätten jetzt gern 4 Tage Pause und bekommen nur eine Abkühlung im Dorfbrunnen von St. Anton.


Etappe2: St.Anton → Ischgl (30K/1450HM): Schöne flache Trails führen uns zur Konstanzer Hütte und an 100ten Hochlandrindern vorbei bis zum höchsten Punkt. Mein Energielevel ist an diesem Tag schon auf minus1 und nur mit großer Qual schaffe ich die letzten Höhenmeter. Hitze, Sonne und leere Flaschen machen vielen Teilnehmer*innen zu schaffen. Zum Glück habe ich einen topfitten Teampartner der mir mentale Unterstützung bietet. Der Abstieg zur Friedrichshafener Hütte und somit zur Verpflegung wird durch scharfkantige und steile Trails ein traumhaftes Erlebnis. Bis nach Ischgl fange ich mich wieder und wir kommen bei 30° und Sonne pur etwas angeschlagen im Apres Ski Paradies an.


Etappe3: Ischgl → Galtür (42K/2550HM): Nach dem Tiefpunkt des Vortages haben wir die Verpflegungsstrategie geändert und alle Gels in unsere Flaschen geleert. Wieder wird mit um die 30° gerechnet und wir haben eine Marathondistanz vor uns. Uns haben die RUN2 Starter in Ischgl verlassen und so steigen wir mit noch ca. 450 verbliebenen Mitstreitern auf den Rauher Kopf. Die Anfangspace ist heute eher vorsichtig, niemand möchte schon früh aussteigen. Unsere Strategie geht auf, wir kommen gut rein und lassen viele km Trails hinter uns. Schon ab 10.00 Uhr ist es unerträglich heiß und wir kühlen immer wieder Kopf und Beine. Es geht runter nach Mathon und dann aufgrund eines Murenabgangs nochmals an der Friedrichshafener Hütte vorbei auf den wunderbaren Grieskogel (2641m). Axels Stöcke geben aufgrund Schweiß und Temperatur ihre Klappfunktion auf und nur mit vereinter Kraft bekommen wir diese wieder in Funktion. Die langen und sehr steinigen Abstiege machen mir heute große Freude, Axel hat aufgrund seiner angeschlagenen Bänder etwas Respekt. Wir versuchen im gleichmäßigen Tempo an der Neuen Heilbronner Hütte vorbei uns Richtung Galtür zu schlagen. Überraschenderweise steht am Stausee Kops einer unserer Begleiter und gibt uns die aktuelle Platzierung und die Restkilometer durch. Emotional sind wir beide komplett durch, wir stellen die restlichen 7km den Pace auf 5.30 ein und freuen uns im Ziel auf die erste gute Platzierung (P9 in unserer AK).


Etappe4: Galtür → Klosters (CH) (41K/1600HM): Am Vorabend im Racebriefing wurde die Startzeit von 8:00 Uhr auf 6:00 Uhr vorverlegt (Gewittergefahr am Nachmittag). Bedeutet der Wecker geht um 4:00 Uhr und zum Glück hat unser Hotel sich erweichen lassen ein Frühstückspaket zusammenzustellen. Mit Stirnlampe auf dem Kopf stehen alle Starter in Galtür bereit um sich Richtung Silvretta Stausee in die Dunkelheit zu stürzen. Ein erhabener Moment mit diesen ganzen Verrückten laufen zu dürfen. Heute ist mein Hulktag, die ersten 15km vergehen wie im Flug, Axel lässt sich anstecken und wir schieben uns nach vorne. Natürlich wird uns heute auch die Hitze nicht verschonen aber auf 2700m Höhe ist es angenehm kühl. An den letzten Resten des Litznergletschers vorbei, über die Kromerspitz laufen wir in die Schweiz und haben schwere und technisch anspruchsvolle Trails vor uns. Lange sind wir noch eine 30-40 Mann/Frau starke Truppe und helfen uns mit Gels etc. aus bis wir am Plattenhorn vorbei so langsam davonziehen. Das Vinschgau zeigt uns seine schönsten Trails und wir kommen wie gewohnt inzwischen bei Höchsttemperatur in Klosters an. Heute benötigen unsere Beine eine gute halbe Stunde kühlen Landquart Bach um wieder Körpertemperatur anzunehmen. Und tatsächlich kommt heute das erste Mal Regen vom Himmel während wir im Hotel einchecken und uns mental auf den morgigen 48km Tag einstellen.


Etappe5: Klosters → Scuol (48K/2200HM): Tag5, es hat die ganze Nacht gewittert und der Wecker hat wieder um kurz vor 4.00 Uhr geklingelt. Per SMS werden wir informiert, dass sich an der Planung etwas ändert wird. Um halb sechs sitzen wir müde und nervös in der Stadthalle von Klosters. Per Liveschaltung wird uns Martin Hafenmair (Renndirektor TAR) zugeschaltet. Der Verrückte ist mit den beiden Vorläufern schon um 3.00 Uhr auf den Gipfel aufgebrochen um die Route zu checken. Und wie wir vermutet haben, die Strecke ist nicht gehbar. Neuer Plan: Mit dem Zug geht es Mittags nach Scuol, der Veranstalter wird bis dahin versuchen eine Alternative zu organisieren. Trotzdem sind wir etwas enttäuscht, was aber nach einem Nickerchen, einem 2. Frühstück und der Info dass es heute noch einen Bergsprint in Scoul geben wird, vergeht. Der Veranstalter hat es geschafft kurzfristig eine 7,5km und knappe 1.000HM umfassende Trailstrecke auf den Hausberg Motta Naluns zu planen und verlegte zusätzlich die Pastaparty auf die Bergstation. Also raus aus der Komfortzone, Trailrucksäcke, Stöcke und Verpflegung verbleiben im Hotel und nach etwas über einer Stunde sind wir und unseren Mitstreiter:innen im Ziel und liegen mit brennenden Oberschenkeln am Boden. Laktatdusche gratis!


Etappe6: Scuol → St. Valentin auf der Haide (ITA) (35K/2.300HM): Das erste Mal haben wir morgens eine Jacke an. Leichter Nieselregen und Nebel erwartet uns im Startbereich. Trotzdem haben alle ein Grinsen auf dem Gesicht. Wir wollen wieder los. Den Sprint von gestern haben alle noch in den Beinen und durch die Feuchtigkeit sind die Aufstiege sehr rutschig. Nach 1,5 h steigen wir durch die Wolken und begrüßen die Sonne und den leichten Fön. Nach ca. 2.000 Hm erreichen wir den höchsten Punkt der gesamten Tour (2970m). Am Piz Lischana wartet wie immer Martin Hafenmair und peitsch uns die letzten Meter nach oben. Eine Umarmung, ein Selfie und es geht über rutschige Felsformationen Richtung Südtirol weiter. Axel und ich wechseln uns heute bei den Tiefs alle paar km ab. Die Trails bergab fordern höchste Konzentration und es werden heute noch einige Bänder von Mitläufern draufgehen ;-( . Kaum sind wir über die Grenze nach Italien, kommt wieder die Sonne raus und wir laufen auf die schönste Verpflegungsstation der Woche (Sesvenna Hütte)zu. Ab jetzt werden die Trails fluffig aber auch matschig. Kurz vor dem Schlusstrail ins Tal taucht der Reschensee in der Ferne auf. Eine letzte Verpflegung in der Bergstation der Heideralm und über Mountainbiketrails geht es zum Ufer des Haidersees. Inzwischen hat es auch wieder deutlich über 20° und wir laufen mit sehr schweren Beinen ins Ziel. Axel wird von mir geknutscht, Emotional sind wir einfach durch. Morgen ist der Finale Lauf und wir wissen jetzt ist es fast geschafft.


Etappe7: St. Valentin → Prad am Stilfserjoch (40/1.700HM): Fast schon überheblich schauen wir auf die heutigen Höhenmeter. Ein „flacher“ Marathon steht auf dem Programm. Im Startbereich umarmen wir unsere Mitstreiter, wir wollen heute alle gesund ankommen. Es geht durch einige Bergdörfer Südtirols bevor wir den Piz Lun auf 2343m erreichen. So knappe 50 Begleiter erwarten uns am Gipfel und wir lassen uns von der Euphorie anstecken. Wir erhöhen das Tempo und lassen nochmals zwei Teams in der Wertung hinter uns, der Energiehaushalt hat sich komplett auf die Belastung eingestellt. Wunderbare Waldtrails führen uns weiter Richtung Prad, einen letzten sehr steilen Anstieg hoch und nach fast genau 5 Stunden sind wir im Ziel. Wir haben es geschafft, wir liegen uns in den Armen, wir atmen tief durch. Es dauert 10 min bis wir es realisieren, dann kommen doch noch die Tränen und nachdem das Adrenalin so langsam aus dem Körper tropft, merken wir die Erschöpfung. Und eine Frage schwirrt durch den Kopf: Wann kann man sich für den Transalpine Run 2024 anmelden.